Neun Jungschiedsrichter pfeifen Spiele mit einem Paten an ihrer Seite – Tandem-Modell kommt bei Trainern gut an

Es ist ein ganz normales Fußballspiel – eigentlich. Der Ball ist rund, die Tore rechteckig und der Rasen in Strempt in einem hervorragenden Zustand. Dennoch ist die Partie zwischen der SG Rotbachtal/Strempt und der JSG Erft ungewöhnlich: Das Spiel der D-Junioren in der Sonderliga wird nämlich nicht von einem, sondern gleich von zwei Schiedsrichtern geleitet. „Tandem-Modell“ heißt das in der Fachsprache.

Das Modell richtet sich explizit an Jungschiedsrichter zwischen 14 und 18 Jahren, die im Februar erfolgreich ihre Prüfung abgelegt haben. Im Fußballkreis Euskirchen sind das in diesem Jahr neun Unparteiische.

Zu ihnen gehört auch Pascal Grabowski. Der 14-jährige Mechernicher ist bereits jetzt mit Leib und Seele Schiedsrichter. Zur eigens angeschafften Ausrüstung gehört auch eine spezielle Uhr, die gleichzeitig anzeigt, wie viel Zeit noch zu spielen und wie lange bereits gespielt ist. Derzeit tritt der Mechernicher Gesamtschüler bei der SG Mechernich/Feytal/Weyer in der C-Jugend gegen den Ball.

Wie es sich für das Tandem-Modell gehört, steht der Youngster mit einem Routinier auf dem Platz: In seinem Fall ist das Mike Rieden. „Ich bin so etwas wie der lebende Videobeweis. Ich kann meinen Kollegen auch überstimmen“, sagt er schmunzelnd. Das sei bislang aber noch nicht vorgekommen. „Pascal macht seine Sache bereits richtig gut“, lobt Rieden. Doch wie läuft das Tandem-Modell in der Praxis ab? „Der Jungschiedsrichter folgt seinem Paten in der ersten Hälfte wie ein Schatten. Nach dem Wechsel werden die Rollen getauscht. Dann übernimmt der Anwärter die Hauptverantwortung“, erklärt Rieden. Eine fixe Dauer der Patenschaftsmodelle gibt es im Fußballkreis Euskirchen nicht.

Mit dieser Flexibilität werde man dem unterschiedlichen Entwicklungstempo der jungen Schiedsrichter gerecht, so Rieden. Angedacht seien etwa drei Spiele im Tandem-Modell. Dann soll der Jungschiedsrichter alleine die Spiele leiten. „Der Nachwuchsunparteiische soll in die Lage versetzt werden, binnen weniger Sekunden richtige Entscheidungen zu treffen und sie souverän durchzusetzen“, sagt Rieden: „Und natürlich soll er möglichst dauerhaft Freude an seiner Tätigkeit haben.“ Der Referee-Nachwuchs könne, so der 26-Jährige, schnell die Lust verlieren, wenn er am Anfang negative Erfahrungen mache. Davor könne ein Routinier ihn besser schützen, berichtet Rieden, der bereits fast 200 Spiel gepfiffen hat.

Die Tandem-Variante kommt bei den Trainern der SG Rotbachtal/Strempt und der JSG Erft gut an: zumindest vor und nach dem Spiel. Während der Partie kochen die Emotionen der Übungsleiter hoch. Es dauert nicht lange bis einer der Trainer übers Feld ruft: „Da stehen schon zwei Schiedsrichter auf dem Platz und trotzdem sehen sie nicht, dass der Ball drin war.“

Davon lässt sich das Duo aber nicht aus der Ruhe bringen. „Wir hatten perfekte Sicht auf den Ball. Für mich war er nicht hinter der Torlinie“, sagt Rieden, der in der ersten Halbzeit das Spiel leitet. Er habe sich sofort bei seinem jungen Kollegen rückversichert, der auch auf Weiterspielen entschieden habe.

JSG-Trainer Thomas Fleck: „Ich finde das Projekt richtig gut. So werden die jungen Schiedsrichter nicht komplett ins kalte Wasser geworfen.“ Er sei zwar während des Spiels wie sein Gegenüber nicht immer mit den Entscheidungen einverstanden gewesen, doch das sei doch vollkommen normal, sagt er schmunzelnd.

Für Schiedsrichter Grabowski verläuft das Spiel ruhig. Die wirklich kritischen Situationen hatte Pate Rieden in der ersten Halbzeit zu bewerten. „Ich habe jede einzelne mit Mike durchgesprochen. Auch dadurch lerne ich“, sagt der 14-Jährige, der für seine Schiedsrichtertätigkeit pro Einsatz 15 Euro erhält. „Das ist ein nettes Taschengeld, doch ganz bestimmt nicht der Grund, warum ich mich entschieden habe, Schiedsrichter zu werden“, sagt er.

Obwohl er Spaß daran habe, ein Spiel zu leiten, schaue er noch gerne Fußball im Fernsehen. „Dann achte ich aber eher auf die Tore als auf die Laufwege und die Körpersprache der Schiedsrichter“, sagt der Schüler, für den die Partie in Strempt nur der Anfang war. Für insgesamt sieben Spiele im April war und ist der Mechernicher eingeteilt. Wenn er nicht pfeift, sammelt Grabowski Erfahrung als Assistent an der Seitenlinie – unter anderem in der Kreisliga A. „Das macht Spaß. Auch, weil ich das Spiel aus einer anderen Perspektive bewerten muss“, berichtet er.

Dem pflichtet Routinier Rieden ohne zu überlegen bei: „Jedes Spiel bringt einen weiter und erweitert den Horizont.“

[Autor und Foto: Tom Steinicke]

   
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