Ich kann mich noch genau daran erinnern, an die einmal im Jahr stattfindenden Schulausflüge, bei denen zumeist eine Erwanderung der Natur im Vordergrund stand. Nach ca. 5 ermüdenden Stunden schien uns Schülern der gesamte Gehapparat nicht mehr überlebensfähig. Schlapp und mürrisch ob der Anstrengung fielen wir in die bereitstehenden Bussitze, die uns wieder in die Schulnähe zurückbrachten. Das Aussteigen fiel schwer und man war froh, zu Hause von Muttern umsorgt zu werden.

Doch „Mutti“ (ich hoffe sie verzeiht mir diese Wortwahl, schließlich ist sie Mutter von 2 Töchtern) geht heute selbst „wandern“. Und das nicht nur schlappe 5 Stunden, nein, sie hat sich vorgenommen eine ganze Nacht und den Tag obendrauf zu testen, was ein menschliches Wesen zu leisten in der Lage ist.

Der Rheinbacher 100 km Marsch hat Interessierte aus allen Regionen der Republik angelockt, die ihre Leistungsgrenzen unter Gleichgesinnten endlich einmal ausloten wollten.

Um 20.00 Uhr ertönt der Startschuss. Los geht es in Rheinbach. Die ersten 70 km(!) verläuft die Strecke flach durch den Kottenforst, führt durch Bonn und entlang des Rheins und der Ahr. Wer nach so vielen Kilometern noch aufmerksam ist, wird in  Walporzheim den historischen Weinkeller der dortigen Weinmanufaktur bewundern können.

Nach ca. 80 km gelaufener Wegstrecke kommt die dann wohl größte Herausforderung: In Mayschoss liegt ein beachtlicher Anstieg zur Kalenborner Höhe vor den Wanderern. Immerhin 200 Höhenmeter sind auf einer Länge von 5 km bis zum „Dach der Tour“ zu bewältigen und das so kurz vor dem Ziel. Am Ende geht es dann bergab nach Gelsdorf durch die Edelobst-Plantagen zurück zum Ausgangspunkt, dem Ziel in Rheinbach. Wer es bis hierher geschafft hat, wird zweimal rund um die Uhr gewandert sein.

Bianca Herschbach war dabei. Fröhlich und doch mit Magengrummeln ging es los. Mit Selbstzweifeln beladen, müde und erschöpft, wird sie so manches Mal nach

fortgeschrittener Nachtzeit innerlich bereits aufgegeben haben, um dann bei der nächsten Verpflegungsaufnahme wieder neue Kräfte zu tanken und Hoffnung für den weiteren Weg zu schöpfen. Der Körper ist immerhin einen anderen Rhythmus gewohnt. Wer sich 24 Stunden am Stück wachzuhalten versucht, wird die Erfahrung kennen,  dass das Fleisch und auch der Kopf ihre Ruhe fordern.

Bianca ist die Mammutaufgabe mit entsprechender physischer und mentaler Vorbereitung angegangen. Die Ausdauer hat sie sich in vielen, vielen Läufen über die Jahre hinweg angeeignet. Und die Einstellung und Selbstsicherheit ein solch großes Abenteuer zu bestehen, hat sie sowieso. Und in Gedanken ist sie mehr als einmal den Weg bereits zuvor gegangen. Was also sollte da noch passieren?

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Hoffnungsfroh in Rheinbach: Bianca (ganz rechts), mit Mitstreiterinnen, vor dem Start über 100 km.

Nach 20 Stunden war sie überglücklich, die Herausforderung angenommen und mit einer Spitzenleistung erfolgreich beendet zu haben.

Herzlichen Glückwunsch und große Hochachtung vor dieser außergewöhnlichen Leistung

   
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