Claudia und Konrad Schmitz hatten es in Klagenfurt schon einmal ausprobiert. Und es hat derart Spaß gemacht, es gleich ein zweites Mal zu tun. Der Ironman in Klagenfurt hat sie so fasziniert, dass sie die Reise nach Österreich auch in 2017 erneut angetreten sind. Und sie konnten mit ihren Schilderungen ebenfalls Andreas Ronig davon überzeugen, dass Klagenfurt der richtige Ort für große Leistungen sei. Und so fanden sich die 3 Bleifüße am 2. Juli voller Tatendrang beim Start am Wörther See vor malerischer Kulisse wieder.

„Erst  wenn man über seine Grenzen hinausgeht, lernt man sich selber neu kennen.“ Die Erkenntnis von Andreas Ronig werden viele, die diesen Sport betreiben, mit voller Inbrunst bejahen. 3,8 km schwimmen, 180 km mit dem Rad und abschließend ein Marathonlauf über 42,195 km sind eine Herausforderung, die jeden einzelnen Teilnehmer seine Grenzen erkennen lässt. Willenskraft ist ein entscheidender Faktor, die Erschöpfung zu verdrängen und die eigenen, sonst verborgenen, Kräfte aus allen Winkeln des menschlichen Körpers zum Vorschein zu bringen. Jede Faser des eigenen Ichs wird im Laufe des nächsten halben Tages gefordert sein und ihren Teil dazu beitragen müssen, das Ziel zu erreichen.

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Alles bestens: Andreas Ronig (links), Claudia und Konrad Schmitz im Ziel des Klagenfurt-Ironman.

Die Atmosphäre war bereits am frühen Morgen angespannt. Erst eine Stunde vor dem Start wurde entschieden, Neoprenanzüge für die Schwimmdisziplin zuzulassen. Aufgrund vorheriger Regengüsse wurde das dafür notwendige Limit der Wassertemperatur, das bei 24 Grad liegt, unterschritten.

Das machte den Teilnehmern die Disziplin ein wenig angenehmer, sorgt doch der Anzug für Auftrieb und mehr Sicherheit im kühlenden Nass des Wörther Sees.

Die Rennräder waren in der Wechselzone „geparkt“, die Kleidung für den abschließenden Marathon gerüstet.

Der Startschuss verabschiedete alle in die Fluten der ersten Disziplin. In dem Getümmel ist der Start nicht ungefährlich. Dicht an dicht gedrängt, trifft so mancher Kraulschlag nicht nur das willige Wasser, sondern auch die Weichteile des unmittelbaren Mitstreiters. Hier heißt es durchhalten und nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Es wird ruhiger. Das Feld zieht sich schnell auseinander und eine lange Schlange wühlt sich durch das Wasser. Für Außenstehende ein ungewöhnliches Szenario und doch eine Augenweide, wie sich die Schwimmer mit gleichmäßigen, ruhigen Bewegungen wie eine Kette aneinanderreihend durch die Fluten bewegen. Auch für Zuschauer ein optischer Genuss, der durch den Sport geboten wird.

Andreas Ronig bewältigte die Strecke in exakt 1 Stunde. Claudia wird die Wechselzone nach 1 Stunde und 23 Minuten erreicht haben. Konrad beendete 5 Minuten nach seiner Frau die erste Disziplin.

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See ahoi: Die erste Disziplin, 3,8 km schwimmen, steht kurz bevor.

Der Umstieg auf das Rad gelingt allen Dreien gut. Es geht am Südufer des Wörthersees, über den Faker See durch die Region Schieflingen. Profiliert mit steilen Anstiegen versehen, haben die Athletinnen und Athleten keine Zeit, die tolle Landschaft zu genießen. Zu sehr liegt der Fokus auf dem Wettkampf und die zu bewältigende Herausforderung der nächsten Stunden.

Andreas Ronig ist gut drauf. Und er hat Glück, nicht von einem technischen Defekt getroffen zu werden, der jeden Triathleten zu jeder Zeit treffen kann. Oftmals führt der Frust dann auch zur Aufgabe. Claudia kann in Klagenfurt ein Lied davon singen. Die Schaltung ihres Rades war nicht in Ordnung. Und sie musste mehrfach anhalten, um die Kette wieder sauber aufzulegen. Das kostete Zeit, Nerven und noch mehr Kraft, durch das dauernde Anfahren. Der Rhythmus ging verloren. Aber sie hielt durch. Die Wechselzone zum abschließenden Marathon war nach 6 Stunden und 55 Minuten der zweiten Disziplin erreicht.

Konrad konnte auf dem Rad einige Zeit gutmachen und brachte sein Gefährt nach 6:39 Stunden Dauerfahrt in die Parkposition.

Andreas Ronig zeigte eine Klasseleistung. Getragen durch die Anfeuerung der Zuschauermassen fuhr er fast mühelos die steilen Anstiege hoch  und versuchte, Zeit mit seinen rasanten Abfahrten durch die blühende Landschaft heraus zu fahren. Der Lohn der Mühen war  die zweitschnellste Zeit in seiner Altersklasse. Nach 5 Stunden und 59 Minuten (incl. Schwimmzeit) wurde er auf den Weg zur letzten Disziplin entlassen

Die Länge eines Marathons ist bekannt. 42,195 km müssen bewältigt werden. Fast könnte man aber sagen, dass  diese Längenangabe nur relativen Charakter hat. Denn nach der Schwimmdisziplin und dem „Radmarathon“ erscheint einem die Laufstrecke schon bald als doppelt so lang. Alle Muskelpartien sehnen sich nach den ersten beiden Disziplinen nach Ruhe. Umso wichtiger ist es, die Ernährung während der langen, rollenden, Phase nicht zu vergessen, um noch einmal Kräfte für den mühevollen und sehr langen Lauf zu mobilisieren.

Magenprobleme während eines Laufes sind nicht immer zu vermeiden. Zeitverlust bedeuten sie alle mal. Gehpausen sind vonnöten oder auch der Gang zum nächsten stillen Örtchen unvermeidlich. Mit etwas Glück kann man damit das Problem wenigstens für einige Zeit verdrängen, vielleicht aber auch ganz beheben.

Claudia, Konrad und Andreas wurden leider nicht verschont. Während Claudia das Problem ohne Gehpausen in den Griff bekam, musste Konrad die Geschwindigkeit über eine Strecke von 2 Kilometern stark verringern, um den nervösen Magen zu beruhigen.

Weniger die Magenprobleme als vielmehr der schnelle Pedalritt über die beiden 90 km Runden schafften erste Kummerfalten auf der Stirn von Andreas Ronig, der gleich mehrere Pausen einlegen musste. Und das bereits nach frühen 15 gelaufenen Kilometern. Letztlich konnte er aber über sein Ergebnis mehr als zufrieden sein. Mit 3 Stunden und 16 Minuten lief er eine richtig tolle Zeit, von der viele „einfache“ Marathonläufer nur träumen können.

Konrad kam nach seinen anfänglichen Schwierigkeiten dann doch immer besser ins Rennen zurück. Seine Marathonzeit: 4:57 Stunden. Auch Claudia kämpfte sich mit großer Willensstärke in den Wettkampf zurück, nachdem ihr die Radstrecke mit dem technischen Defekt doch einige Probleme bereitete. 5 Stunden und 5 Minuten benötigte sie für die 42,195 km lange Strecke. 

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Kämpferisch: Andreas Ronig trotzt seinen Problemen beim abschließenden Marathonlauf.

 „Dass es nach der schnellen Zeit auf dem Rad hart beim Laufen wird, hatte ich mir schon gedacht, aber, dass es schon so früh losging, war mental sehr fordernd.“ Diese Aussage von Andreas Ronig nach dem Zieleinlauf zeigt die Gedankengänge und ganze Anstrengung eines Triathleten während eines Wettkampfes.

Die Erfolgsgeschichte: Trotz der Probleme, mit denen unsere Drei zu kämpfen hatten, konnten alle ihre Triathlon-Bestzeit verbessern.

Die steht nun für Claudia bei 13 Stunden 43 Minuten und 18 Sekunden und Konrad freut sich über 13 Stunden 21 Minuten und 43 Sekunden als neues Maß, an dem er sich selbst messen wird.

Andreas Ronig schaffte mit seiner neuen Bestzeit von 9 Stunden 15 Minuten und 9 Sekunden Gesamtplatz 39 in der Gesamtkonkurrenz (und da zählen die Profis bereits mit!)  und Platz 6 seiner Altersklasse.

Die Anspannung nach dem Rennen war abgefallen. Alle Ziele schienen bereits erreicht. Die Feier organisiert und der Stolz über die eigenen Leistungen immens, stand am nächsten Tag noch die Vergabe der Slots für die Teilnahme an der Triathlon Weltmeisterschaft auf Hawaii an.

Niemand hatte damit gerechnet, auch Andreas Ronig nicht. Eigentlich erhalten nur die ersten 3 der Altersklasse die Möglichkeit, die Reise zum legendären Triathlon nach Hawaii anzutreten, um dort seine Bahnen durch die glutdurchdrängte Lavahitze der heißen Pazifikinsel zu ziehen. Aber Platz 6 könnte dann reichen, wenn drei der vor ihm liegenden die Möglichkeit nicht nutzen wollen.

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Triumphaler Einzug: Andreas Ronig nach tollem Rennverlauf im Ziel

Und noch einmal war die Anspannung zu spüren: „Der Moment, in dem ich realisiert habe, dass ich einen Slot bekommen werde, war sehr emotional. Ich bin in dieses Rennen ohne jegliche großen Ziele gegangen und dann gab es gestern schon eine neue persönliche Bestzeit und heute dann den Slot für die Weltmeisterschaft auf Hawaii. Unbegreiflich.“

Merken Sie sich diesen Namen. Er wird auf den Starterlisten erscheinen, auf denen Weltmeister wie die deutschen Spitzen-Triathlon-Wettkämpfer Jan Frodeno, Faris Al Sultan, Norman Stadler, Thomas Hellriegel oder Sebastian Kienle verzeichnet waren oder sind. Und vielleicht können Sie ihn ja am 14. Oktober 2017 selbst  bewundern, wenn die Sportveranstaltung in die Kanäle des Internets übertragen wird. Ich wünsche Ihnen schon heute viel Spaß dabei. Und Daumen drücken ist nicht verboten …

Andreas Ronig darf sich mit den Weltbesten in der Ironman Distanz auf Hawaii messen. Du hast es Dir verdient!

Jetzt heißt es doch nochmal die Schwimmbrille auspacken, das Rad aus der Garage holen und die Laufschuhe schnüren. „Geplant war für dieses Jahr eigentlich nicht mehr viel. Aber …“. Er hat die Herausforderung bereits angenommen und bereitet sich schon wieder akribisch vor.

Herzlichen Glückwunsch Euch dreien. Wir sind richtig stolz auf Euch.

 

 

   
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