Sightseeing ist seine Leidenschaft. Aber nur dann, wenn die Strecke eine Länge von genau 42,195 Kilometern misst. Ob Großstadt oder Provinz, die Tour darf nicht schon nach 1 Stunde vorüber sein. Man muss das richtig genießen können.

Die illustre Liste der Orte, die er so besichtigte, ist groß. 25 mal genoss er Flair von Natur und Großstädten. Er durchstreifte Wälder und Großstadtschluchten. Metropolen wie Berlin, Chicago, Boston oder New York City sperrten für ihn ganze Innenstädte ab. Inkognito sahen ihm in London die Mitglieder der königlichen Familie bei seinem Hobby zu.

Das beschauliche Leben auf Hawaii ließ er pulsieren und nahm dafür die Strapazen einer Weltumrundung in Kauf. Die Sonne von Florenz zeigte sich bei seinem Start im schönsten Gewand.

Luxemburg, Köln, Düsseldorf, Bonn und Koblenz hießen die Stationen seiner Reisen in der Heimat. Auch die Eifel wollte er erkunden und tat dies in Monschau und am Rursee.

Amsterdam war toll. Doch bescherte ihm die holländische Metropole den ersten falschen „Fünfer“ seines Lebens. Der Verkäufer an der Currywurstbude wollte das „Falschgeld“ partout nicht annehmen.

Und jetzt war Tokio, die japanische Metropole, als Nummer 26, an der Reihe. Eine Weltreise für eine Sightseeingtour.

Für einen Frühaufsteher begann die Reise spät. Das Flugzeug in Düsseldorf war erst um 15.00 Uhr bereit. Über das deutsche Luftdrehkreuz Frankfurt ging es dann gen Osten.

Die Erde hat nicht gebebt, als der Flieger vom Polarkreis kommend am 23. Februar 2017 um 13.00 Uhr mit einer vorbildlichen Landung die Fluggäste auf japanischem Boden absetzte.

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Made in Japan: Wolfgang als Mittelpunkt der klassischen japanischen Damenmode.

Die Reise hatte er bei einem Laufveranstalter gebucht. Das machte die Sache einfacher. Bereits unterwegs wurden erste Kontakte geknüpft. Der Empfang in der fremden Stadt ermöglichte so einen weitgehend stressfreien Aufenthalt. Die Reise war wohlorganisiert und ließ dennoch genügend freien Raum für eigene Erkundungen.

Das Hotelzimmer war schnell bezogen. Die Informationen durch den Laufveranstalter wiesen bereits den Rahmen für die nächsten aufregenden Tage.

Die lange Reise war strapaziös. Erholung bis zum ersten Trainingslauf mit Irina Mikitenko, der deutschen Weltklasseläuferin, am nächsten Morgen, hatte jetzt Vorrang. Und wenn man reichlich müde ist, dann schläft man auch auf einer harten Parkbank. Man könnte es auch anders sagen: Japanische Hotel-Betten sind sehr gewöhnungsbedürftig!

Glücklicherweise war die Nacht schon früh zu Ende. Bereits um 7.30 Uhr war der erste „Erholungslauf“ durch die Innenstadt von Tokio angesetzt. Irina hatte eingeladen. Und ab 10.00 Uhr warteten die angenehm weichen Sitze des Busses auf die Teilnehmer der City-Tour mit obligatorischem Besuch der Marathon-Messe incl. Ausgabe der Startunterlagen für den Wettbewerb am Sonntag.

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Weltklasseläufer unter sich: Wolfgang Peeters und Irina Mikitenko.

Der Freitag verging wie im Flug. Weitere Bekanntschaften wurden geknüpft und Verabredungen getroffen. Mit Unterstützung ist der Aufenthalt in einer fremden Stadt mit fremder Kultur und Gewohnheiten besser zu bewerkstelligen. Die Hilfe beim Essen mit Stäbchen wird schon fast überlebenswichtig. Denn Hungerschieben vor einem Marathonlauf geht gar nicht. Und alle Kohlenhydrate allein mit zwei Stäbchen zu erwischen, ist nicht so ganz einfach und kann sich lange hinziehen. Kurz vor Mitternacht war der Bogen raus und die Hungerkur zu Ende …

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In wichtiger
Stabsfunktion unterwegs: Wolfgang bei der Pasta Party am Vortag des Marathons.

Nach ausgiebigem Frühstück am Samstagmorgen durften sich 2000 Teilnehmer noch ein wenig „die Füße vertreten“. Der organisatorische Aufwand für den“ Lauf vor dem Lauf“,wie er beispielsweise in New York betrieben wird, scheint dem japanischen Veranstalter wohl zu groß zu sein. Vielleicht ist das Interesse der Laufgemeinschaft aber auch nicht entsprechend. Der Lauf am nächsten Tag ist weit genug …

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Unter Freunden: Wolfgang beim Friendship-Run in japanischer Begleitung.

Duschen und anschließend noch ein wenig das Flair japanischer Kultur und Gastfreundschaft genießen. So verbrachte unser Held den 25. Februar 2017 auf der anderen Seite unseres Erdballs.

Filme und Bilder aus den U-Bahnstationen in Japan zeigen chaotische Zustände. Das uniformierte Personal schiebt die Menschenmassen zusammen, um die Türen des unterirdischen Fahrsystems schließen zu können. Ist man einmal drin, ist nur noch atmen möglich. Alle sonstigen Versuche, Hände oder gar Arme und Beine zu bewegen, sind sinnlos. Man kann nur warten und hoffen, dass sich dies an der nächsten Station ein wenig entspannt.

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Kultstätten Tokios: Eingang zur Asakusa-Kannon-Tempel-Anlage.

Am Sonntag früh war von diesem Chaos glücklicherweise keine Spur. Selbst Sitzplätze standen noch zur Verfügung, obwohl bereits um 5:40 Uhr knapp 36.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie deren Begleiter aus den Innen- und Außenbezirken mit „dem“ Verkehrsmittel Tokios zum Startbereich einer der größten Laufveranstaltung unseres Zeitalters pilgerten. Das Tokioter Rathaus, mit einer Höhe von 248 m das höchste Rathaus der Welt, wurde somit für kurze Zeit zum Mittelpunkt einer riesigen Laufdemonstration mit Starterinnen und Startern aus aller Welt mutiert.

Pünktlich um 9:10 ertönte der Startschuss. Die Laufelite sprintete los und hatte bereits mehrere Kilometer hinter sich, bevor unser „Weltumläufer“ die Startlinie erstmals zu Gesicht bekam. Doch der heutige Tag sollte nicht durch die Uhr und Wettkampfdruck geprägt sein. Heute war der Tag des Abschieds von einer langen Laufkultur, an deren Ende der Traum der Marathon Major Medaille erfüllt sein sollte. Er hatte es angekündigt. Tokio sollte die letzte Station seiner Marathonkarriere sein.

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In den Straßen Tokios: Wolfgang beim Fototermin.

Er ließ sich Zeit, viel Zeit. Eile, wie in früheren Jahren, hatte er sich für den Lauf auf japanischen Boden untersagt. Sichtlich genoss er die Atmosphäre des Laufes, die fremde, faszinierende Architektur, die erdbebensicheren Hochhausschluchten und die unglaubliche Geduld und Freundlichkeit der japanischen Gastgeber. Und: Sauberkeit war oberstes Gebot. Jeder Becher, jede Verpackung wurde sofort Beute einer der unzählig vielen Streckenposten, die wohl für diesen einen Tag als größtes Abfallbeseitigungssystem der Welt bezeichnet werden könnten. Nicht wie sonst bei Großveranstaltungen dieser Art absolute Notwendigkeit, wird hier dem Abfallräumungsdienst nach dem Ende keine große Bedeutung mehr beizumessen sein. Schier unglaublich!

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Strenge Kontrolle: Ordnungs- und Räumdienste entlang der gesamten Strecke.

Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Problem sind allerdings die versteckten Toiletten, die teils nur über lange Umwege zu erreichen sind. Hier hat die Sauberkeit ihren Preis. Aber unseren Teilnehmer konnte das an diesem Tag nicht erschrecken. Der Genuss und das unendliche Gänsehautfeeling vom Anfang bis zum Ende ließ negative Gedanken erst gar nicht aufkommen.

 

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Weite Wege: Nächste Toilette in 1,3 km abseits der Strecke..

Der Tokio Tower, ein 1958 nach dem Vorbild des Eiffelturms erbauter Fernsehturm in Stahlfachwerkbauweise, die Anlage des Asakusa-Kannon-Tempels, der kaiserliche Park Shinjuku mit seiner weltberühmten Kirschblüte, der 2012 eröffnete Tokio Skytree – mit einer Höhe von 634 m der höchste Fernsehturm und das zweithöchste Gebäude der Welt - das mit seiner spektakulären Außenfassade herausragende Metropolitan Government Building und und und zogen trotz aller Muße viel zu schnell vorbei. Nach knapp 6 Stunden war der letzte lange Lauf beendet. Mit viel Wehmut nahm er seine verdiente Medaille entgegen.


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Et hät jefluppt: Finishermedaille von Tokio und Marathon Major Medaille sind im Besitz von „Wolle“ Peeters.

Sein absoluter Höhepunkt sollte aber kurze Zeit später folgen. Der Lohn für die Mühen der großen Serie: Die Ausgabe der Marathon Major Medaille als Ausdruck der läuferischen Leidenschaft unseres weltreisenden Bleifußmarathonläufers und als Ergebnis seines Traumes: Die 6 größten Marathons dieser Welt gelaufen zu sein.

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Objekt seines Traums: Marathon Major Medaille als Beweis, dass der Traum Realität geworden ist.

Die sportlichen Weltreisen sind für ihn damit erst einmal beendet. Am Montag, den 27. Februar 2017 ging es gegen 12. 00 Uhr Ortszeit zum Flughafen. In umgekehrter Richtung ging es noch einmal von Tokio über den Polarkreis, Russland und Finnland, zurück zum Ausgangspunkt seiner Abenteuerreise, nach Düsseldorf.

Sein Biorhythmus kam nicht durcheinander, seine Gefühlswelt wohl schon. Seinen großen Traum hat er gelebt.

Unser herzlichster Glückwunsch für seine Superleistung und eine tolle Laufkarriere geht an: Wolfgang Peeters. 

   
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